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Rosemarie Lierke |
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Antike Glastechnologie / Ancient Glass Technology |
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Diatretglas aktualisiert 14. 8. 05
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Vorbemerkung: Nach der Schleiftheorie von F. Fremersdorf wurden die Diatretgläser angeblich aus einem dickwandigen Rohling geschliffen. Bei einer genauen Beachtung der Herstellungsmerkmale muß das jedoch ausgeschlossen werden. Das geht u. a. auch aus der Beantwortung der anschließenden ‘10 Fragen an einen Vertreter der Schleiftheorie’ und der nachfolgenden ‘Ergänzung’ hervor. In einem Nachtrag wird auf einen Artikel von J. Welzel über die Situla im Domschatz von San Marco eingegangen. .
Tatsächlich scheinen die Netzbecher aus einem zweischalig gepressten Rohling geschliffen worden zu sein (siehe Abbildung). Ein perforierter Zwischenbecher aus Gips oder einer Mischung aus Gips und Quarzmehl ermöglichte das Pressen eines zweischaligen Rohlings mit Verbindungsbrücken, der mit äußerst geringem Materialverlust aufgeschliffen werden konnte. Für mehr Details, sowie Fotos von Herstellungsmerkmalen siehe L1995b, L1995c, L1999, L2001a, L2004b bzw. www.pressglas-korrespondenz.de/aktuelles/pdf/pk-2004-1w-lierke-diatrete.pdf und L2004d mit einem Vergleich von Schleifspuren bei Diatretgläsern.
10 Fragen an einen Vertreter der Schleiftheorie
Die 10 Fragen wurden 1996 während des Treffens der deutschen Glashistoriker (Fachausschuß V der DGG) in Halle präsentiert. Die Antworten hier basieren auf L2001a und korrigieren, wo erforderlich, Welzel, JGS 45 (2003) 186-189.
Diese Seite wurde am 17. 2. 2004 fertiggestellt und am 14. 8 2005 aktualisiert.
1. Wie erklären Sie die relativ grobe Schleifarbeit an Maschenkanten und Stegen im Gegensatz zu der angeblich perfekt und gleichmäßig auf 1-2mm Stärke ‚geschliffenen’ Becherwand? Meine Antwort: Die in der Regel erstaunlich groben Schleifspuren an Maschenkanten und Stegen der Diatretgläser machen es äußerst unwahrscheinlich, dass die dünnwandigen
Becher mit ihrem Netz aus einem dickwandigen Rohling geschliffen wurden.
Die Stege mussten auch bei einem zweischalig gepressten Schleifrohling beschliffen werden, um sie optisch möglichst hinter den Maschenkreuzen verschwinden zu lassen, da die Diatretgläser in der
Regel Lampen waren. Die grobe Schliffqualität von Maschenkanten und Stegen der Originale ent- spricht dem Stand der Glasschneidekunst, wie er durch andere Beispiele mit Schliffdekor aus der
Entstehungszeit der Diatretgläser ausreichend dokumentiert wird. Noch heute ist vor allem das Schleifen des dünnwandigen Innenbechers für ein Diatretreplikat eine schwierige Aufgabe. Diese
Aufgabe wäre mit dem antiken Werkzeug und Material noch viel problematischer gewesen. Das gilt vor allem, weil das Glasmaterial in der Regel Blasen enthielt (siehe Frage 3) und die unerlässliche
Spannungsfreiheit eines dickwandigen Rohlings nicht gewährleistet war. Häufig belegen Spannungsrisse in geschliffenen oder gravierten antiken Gefäßen, dass die Kühlung nach der
Herstellung noch nicht optimal beherrscht wurde. Bei einem dickwandigen Glas, das geschliffen werden soll, ist aber die Spannungsfreiheit besonders wichtig - und der Temperaturverlauf für die richtige Kühlung besonders kritisch.
Die Behauptung, Edelsteinschleifer hätten die Diatretgläser geschliffen, da nur Edelsteinschleifer die dazu erforderliche Technik beherrschen, ist eine Mystifizierung der zweifellos schwierigen Aufgabe, ein
Diatret(replikat) aus einem dickwandigen Rohling zu schleifen. Heute lernen Glasschleifer und -graveure in ihren Fachschulen, mit dem Umfang des Rädchens zu schleifen, während Edelstein-
schleifer das gleiche Werkzeug auch mit der Stirnfläche einsetzen. In der Antike ist eine derart rigoros spezialisierte Ausbildung nicht vorstellbar, und sie ist darüberhinaus auch nicht erforderlich. Fritz
Schäfer, der 1968 sein erstes Diatretreplikat schuf, benötigte keine Edelsteinschleifer- Ausbildung. George Scott war ein cabinet maker und hat ohne Edelsteinschleifer-Ausbildung hervorragende
Diatretglasreplikate hergestellt.
2. Wie erklären Sie die Existenz von Diatretgläsern mit blankem Becher ohne Schleifspu-
ren, während andere Diatretgläser Schleifspuren rund um die Stegansätze zeigen?
Meine Antwort: Die nachweisbare Existenz von Diatretgläsern ohne Schleifspuren auf dem Innenbecher unterstützt die Vorstellung, dass diese Becher nicht aus einem dickwan- digen Rohling geschliffen wurden.
Kleeblattförmig um die Stege angeordnete Schleifspuren sind die einzigen Schleifspuren, die häufig auf der Außenseite der Diatret-Innenbecher zu finden sind. Sie stammen von der Stirnfläche des
Schleifrädchens mit dem die Stege beschliffen wurden. Es haben jedoch nicht alle Diatrete diese Spuren. Zum Beispiel hat der Netzbecher aus Niederemmel im Landesmuseum Trier keinerlei
Schleifspuren auf der Außenseite des Bechers. Das ist eine Feststellung des ehemaligen Direktors des Museums nach der Ausgrabung [H. Eiden, Aus der Schatzkammer des antiken Trier, 1951, S. 38].
Heute hat der Becher eine Schutzschicht, die aber auf Grund ihrer fachgerechten Ausführung evtl. vorhandene Schleifspuren auch nicht verdecken würde (Das ist die persönliche Auskunft des
damaligen Trierer Restaurators R. Wihr, der die Schutzschicht aufbrachte.) Auch der Innenbecher des großen Hohensülzener Diatrets (seit Kriegsende verschollen) war nach A.
Kisa „vom Schleifrade vollkommen unberührt“ [Das Glas im Altertume II, S. 621]. Offenbar hat der Diatretschleifer beim Beschleifen der Stege in diesen Fällen so sorgsam gearbeitet, dass die Stirnfläche
seines Schleifrädchens den Innenbecher nicht berührte. Ein weiteres schleifspurenfreies Diatret ist der Fischbecher im Nationalmuseum Budapest.
Bei einigen, aus einem dickwandigen Rohling geschliffenen Replikaten kann man dagegen schon mit bloßem Auge die winzigen Schleiffacetten erkennen – eine neben der anderen – mit denen die kon-
vexe Rundung des Innenbechers ‚modelliert’ wurde. Solche Schleifspuren findet man auf keinem Original. [Siehe dazu die In L2004d werden die tatsächlichen oder möglichen Schleifspuren der Diatretgläser verglichen. Die wörtlichen Kisa-Zitate finden Sie hier . 3. Wie erklären Sie flachgedrückte große Blasen in den dünnwandigen Partien eines Diatretglases, während aufgeschliffene Blasen auffällig fehlen? Meine Antwort: Flachgedrückte Blasen in den dünnwandigen Partien eines Diatretbechers
sind ein eindeutiger Beweis dafür, dass dieser Diatretbecher nicht aus einem dickwandigen Rohling geschliffen wurde.
Blasen in dickwandigen Bechern (wie man sie angeblich als Schleifrohling für Diatretbecher benutzt hat) würden in keinem Fall flachgedrückt an der inneren Becherwand sitzen, egal, ob dieser Becher
geblasen oder gepresst worden ist. Die Blasen wären immer rund, entweder kugelig oder langgestreckt. Sie wären außerdem immer statistisch in der ganzen Becherwand verteilt.
Beispiele für Diatretgläser mit flachen Blasen, deren Durchmesser so groß wie oder größer als die Wandstärke an der entsprechenden Stelle ist, findet man u. a. im Römisch Germanischen Museum
Köln (der Becher aus Köln-Braunsfeld mit vielen flachen Blasen, eine besonders große rechts neben dem Omega), und in der Staatlichen Antikensammlung München (der Becher aus Köln/Benesis-
straße mit einer großen Blase unter dem Netz), aber auch der Becher aus Niederemmel im LM Trier oder der Lykurgusbecher im Britischen Museum in London und andere haben große flache Blasen in
ihrem dünnwandigen Innenbecher. Die dünnwandigen Partien mit den flachgedrückten Blasen müssen durch einen komplexen Pressvorgang entstanden sein (siehe
Übrigens fallen auch bei blasenreichen Diatretgläsern keine aufgeschliffenen Blasen auf. Moderne, aus blasigem Glas geschliffene Objekte, z. B. geschliffene Objekte aus pâte de verre, bei denen
aufgeschliffene Blasen nicht durch eine Kunststoffmasse verfüllt wurden, erinnern mit ihrer Oberfläche an wurmstichiges Holz. Niedrige, scharf begrenzte, kugelabschnittförmige Mulden, wären als typische
Verwitterungserscheinung des antiken Glases zu erklären - sind mir aber bei der Untersuchung der Originale nicht aufgefallen.
4. Wie erklären Sie die umlaufenden, nicht wegpolierten ‚Kratzspuren’ auf der Innenseite vieler Becher?
Meine Antwort: Die typischen horizontal umlaufenden Kratzer sprechen dafür, dass die Schleifrohlinge der Diatretgläser drehend gepresst worden sind.
Die häufig auf der Innenseite anzutreffenden horizontalen Kratzer der Diatretgläser entsprechen in ihrer Ausprägung den typischen Kratzern von Gläsern der frühen Römischen Kaiserzeit, die als eine Art
‚Produktionsfehler’ beim drehenden Pressen zu erklären sind [zu diesem wichtigen Thema siehe 5. Wie erklären Sie den immer unterhalb des ausgestellten Randes umlaufenden Grat, der bei geschliffenem Glas völlig unmotiviert erscheint? Meine Antwort: Der umlaufende Grat oder Reif entspricht dem zur Verstärkung gepressten
Wulstrand der frühen Facettenschliffbecher, er sitzt nur an einer tieferen Position, wie sie für die Aufhängung eines Diatrets sinnvoll ist.
Es ist absolut nicht überzeugend, dass dieser typische Reif zwangsläufig beim Dünnerschleifen des ausgestellten Randes entstand. Die Bergkristall-Lampe im Tesoro di San Marco hat keinen um-
laufenden Reif. Mit der an Maschen und Stegen dokumentierten Unsicherheit beim Schleifen wäre der feine Reif sicher irgendwo durchtrennt worden. Es ist dagegen vorstellbar, dass der Reif eine
Formgrenze markiert oder bewusst in der Pressform vorgegeben wurde, um – wie der gepresste Wulstrand der Facettenschliffbecher – der Verstärkung zu dienen. Angesichts des Diatretglases im
Corning Museum of Glass, dessen originale Aufhängung knapp unter dem Reif angebracht ist, erscheint das sinnvoll.
6. Wie erklären Sie die flache Rückseite der Glasnetze bzw. Figuren und deren gleich- mäßigen (zum Boden leicht zunehmenden) Abstand vom Innenbecher?
Meine Antwort: Die flache Rückseite der Netzmaschen und der Glieder oder Äste von Figurendiatreten ist durch die Benutzung eines entfernbaren Zwischenbechers (siehe Abbildung oben) beim Pressen zu erklären.
Es ist zunächst erstaunlich, dass die nicht sichtbare Unterseite der Maschen eines Netzdiatrets bzw.
der Glieder oder Äste eines Figurendiatrets so perfekt glatt ist und mit der seitlichen Netzkante immer einen spitzen oder rechten Winkel einschließt. Warum sollte der Glasschleifer der nicht sicht- baren
Unterseite so viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet haben als den sichtbaren Maschenkanten und Stegen? Warum hat er sein Risiko nicht dadurch vermindert, dass der Übergang von seitlicher Kante
zur Unterseite einer Masche stumpfwinklig oder rundlich gearbeitet wurde (wie häufig bei Replikaten)? Die flache Unterseite des Netzes der Diatretgläser und ihr gleichmäßiger und ausreichender Abstand
vom Innenbecher ist ein starkes Argument für die Verwendung eines Zwi- schenbechers bei der Herstellung. Das hat auch T. E. Haevernick schon so gesehen, sie gehörte zu den vielen
Wissenschaftlern, die schon früh an der Fremersdorf’schen Schleiftheorie zweifelten.
7. Wie erklären Sie die stereotype Wiederholung der Netzmuster bei angeblich aus einem dickwandigen Rohling geschliffenen Gläsern? Meine Antwort: Durch die in regelmäßigen Abständen angeordneten Perforationen eines Zwischenbechers beim Pressen wurde die Anordnung der Stege und damit die der Netz- maschen vorgegeben.
J. Welzel hat den strengen Rhythmus erklärt, mit dem er die Maschen eines Netzbecher-Replikats aus
einem dickwandigen Rohling schleift (Glastech.Ber. 51, 1978) . Doch warum gab es beim Schleifen aus einem dickwandigen Rohling keine größere Freiheit in der Gestaltung eines Netz- diatrets?
Offenbar war die Position der Stege für das typische Netzwerkmuster vorgegeben. Sogar bei Figurendiatreten (z. B. dem Fischbecher in Budapest) sind die Stege (und damit die Seetiere)
regelmäßig angeordnet – anders als bei der Bergkristalllampe in San Marco. Wenn man statt eines dickwandigen Rohlings einen zweischaligen Rohling mit regelmäßig
angeordneten Verbindungsbrücken nach Welzels Beschreibung beschleift, fällt nach je acht Kerbschnitten eine (wiedereinschmelzbare!) Scherbe heraus, und die Schleifarbeit ist damit bereits zum größten Teil erledigt (siehe
8. Wie erklären Sie runde Stege und Stege, die nicht vom Innenbecher bis zum Netz rei- chen, sondern mit runder Spitze davor enden (Hohensülzen)? Meine Antwort: Runde Stege und zu kurze Stege mit gerundeter Spitze sprechen dafür, dass
sie beim Pressen unter Verwendung eines perforierten Zwischenbechers entstanden.
Der Verbleib des Hohensülzener Diatrets ist leider seit dem Ende des 2. Weltkrieges unbekannt. Wir besitzen jedoch eines detaillierte Runde Stege, die mit einer
9. Wie erklären Sie die häufig leicht schwingenden Konturen des Gefäßrandes oder eine schräge Netzoberkante?
Meine Antwort: Die leicht schwingenden Konturen der Originale können nur im heißen Zustand entstanden sein.
Insbesondere gilt das für den Rand. Der in der Regel ausgestellte Rand wurde sicher nicht aus einem dickwandigen Rohling geschliffen. Durch Schleifen werden die steifen, exakten Formen der Replikate
erzeugt und keine schräge Netzoberkante oder ein schwingender Rand. 10. Wie erklären Sie das Fehlen von Netzbechern aus Stein? Meine Anwort: Die Herstellung der Diatretgläser war ein glasspezifisches Verfahren. Die Anzahl der bekannt gewordenen gläsernen Netzbecher (einschließlich Fragmente, ohne Figuren- diatrete) nähert sich 50. Das ist eine erhebliche Anzahl, da man damit rechnen muß, dass ein großer Teil der äußerst fragilen Glasbecher in unkenntliche kleine Scherben zerfallen ist, oder sich bei ungünstiger Erdlagerung vollkommen aufgelöst hat bzw. wieder eingeschmolzen wurde. Glasnetz- becher dürften deshalb in der Antike ein durchaus verbreiteter Luxusartikel gewesen sein. Obwohl Steingefäße eine erheblich größere Chance haben, die Zeiten zu überdauern, wurde noch kein einziger Netzbecher aus Stein, nicht einmal ein steinernes Netzfragment gefunden.
Ergänzung Jede konvex gekrümmte Fläche muß zwangsläufig beim Schleifen aus einem dickwandigen Rohling aus winzigen Facetten modelliert werden. Das zeigt auch das frühe Replikat des Lykurgosbechers von Josef Welzel. Die Fläche der Wange (Pfeil) ist aus einer Vielzahl kleinster Facetten modelliert. Der Künstler hat sich in diesem Fall entschieden, die Fläche so zu belassen. Man stelle sich vor, wieviel Arbeit es bedeuten würde, die im Original (rechts) plastisch gerundeten Haarstränge, Falten, Brauen etc. zu erzeugen. Sie wurden deshalb auch im Replikat – für einen Graveur werkgerecht - als Rillen markiert. Das Original zeigt dagegen ein typischerweise geformtes, evtl. anschließend hinterschnittenes Relief (die ‚Hinterschneidung’ kann auch durch Pressen in eine Gipsform vorgegeben sein). Die schwache Marmorierung des ganzen rechten Bildes ist durch die Rasterung der stark vergrößerten Vorlage (aus Glas der Caesaren) bedingt.
Zwei Anmerkungen
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Diatretglas-Replikate, die aus dickwandigen Rohlingen geschliffen wurden, sind bewunderungswürdige Errungenschaften. Die zu ihrer Herstellung
erforderliche außerordentliche Kunstfertigkeit steht ebenso außer Frage wie der aesthetische Reiz dieser Objekte. Darüberhinaus kann die Nachschöpfung eines verlorenen Originals nach einer
Zeichnung oder einem Fragment ein wertvoller Beitrag sein, unser Wissen über die Vergangenheit zu erweitern. Wir müssen jedoch mit unseren Rückschlüssen auf die Methoden der Antike vorsichtig sein.
Um die Entwicklung der Glasbearbeitungstechniken zu verstehen, müssen wir genauestens die Herstellungsmerkmale der Originale untersuchen und dürfen uns dabei nicht von den Methoden und
Möglichkeiten unserer Zeit in die Irre leiten lassen. . Einfachste, improvisierte
Nachtrag In einem Artikel im Kölner Jahrbuch 35 (2002) S. 391-407 berichtet J. Welzel über die Untersuchung und Reproduktion der Situla im Domschatz von San Marco
. Dieses besonders späte Diatretgefäß unterscheidet sich signifikant von den früheren Diatreten durch u. a. einen flachen (nicht konvex-runden) Boden, einen kegelstumpfförmigen (nicht glockenförmigen) Korpus und extrem kurze
Stege. Detailliert und nachvollziehbar beschreibt W., wie dieses Gefäß durch den Einsatz weniger Schleifrädchen aus einem Rohling mit nur 10-12mm Wandstärke nachgearbeitet werden kann. (Zum
Vergleich: ein Schleifrohling für das Hohensülzener Diatret hätte eine mehr als doppelt so große Wandstärke erfordert). Es sei gern zugestanden, dass die von W. demonstrierte Methode als realistische Möglichkeit der
antiken Herstellung erscheint. Ich habe bereits in
Unter diesen Umständen ist zu bedauern, dass W. nicht die ihm gebotene seltene Gelegenheit einer Untersuchung dieses Gefäßes außerhalb der Vitrine nutzte, um Merkmale zu kontrollieren, die eine
sachliche Entscheidung über das tatsächlich benutzte Herstellungsverfahren erleichtert hätten. Dazu gehören zum Beispiel das Vorhanden- oder Nichtvorhandensein runder Stege, umlaufender Kratzer
auf der Innenseite, flachgedrückter Blasen o. ä. Hier ist also doch noch eine weitere, vor allem unvoreingenommene Untersuchung der Situla erforderlich, bevor man ein sichereres Urteil fällen kann. 14. 8. 2005
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